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Harald Darer bedient sich gerne der personalen Erzählweise oder auch der Ich-Erzählweise. Das heißt, er erzählt seine Geschichten so, wie seine Protagonisten bzw. seine Erzähler sie erzählen würden. Im Gegensatz zur auktorialen Erzählweise, wo der Autor allwissend und allmächtig ist, weiß er nicht mehr als seine Personen, beziehungsweise er tut so, als würde er nicht mehr wissen. Er erzählt aus einer extrem reduzierten, eingeschränkten Perspektive.
Die personale Erzählweise, die uns vielleicht näher steht als die auktoriale, weil sie jünger, moderner ist – angeblich war Kafka der erste, der sie zur Anwendung brachte- ist sehr effizient. Sie berichtet aus dem Inneren einer Person, ist radikal subjektiv, polemisch, ungerecht, komisch. Sie kann haarsträubenden Unsinn, politisch Unkorrektes, Grausliches, Ordinäres, Ungerechtes, Zynisches zum Ausdruck bringen, sie muss sich nicht um Objektivität bemühen, sie muss die Person, die spricht, nicht relativieren, nicht erklären, nicht psychologisch motivieren, sondern nur sprechen und handeln lassen.
Sie legt gewissermaßen einen Bericht direkt aus dem Herzen des falschen Bewusstsein und des Jargons ab. Mit dem Effekt, dass uns die dargestellten Dinge und Sachverhalte ganz direkt und distanzlos anspringen, eine Wucht haben, uns unvorbereitet treffen und zuweilen auch sprachlos zurücklassen. Und wir müssen uns auch selbst ein Urteil bilden, da uns ja die vermittelnde Instanz des Autors fehlt, der sich auf diese Weise ja auch weigert, uns ein gemeinsames Wertesystem mitzuliefern.
Und nicht zuletzt setzt sie Lust frei, genauso wie der Witz im Freudschen Sinn, da uns ja die Ebene des Verstandes, die vermittelnde Instanz – die uns im Sinn der erwachsenen Logik die Dinge erklären und ihre Direktheit abfedern würde – vorenthalten wird. Das Blöde, Gemeine, Kindische wird uns gewissermaßen freihaus geliefert, und das ist immer lustig.
Karin Fleischanderl
Übersetzerin und Publizistin
Mitherausgeberin der LiteraturzeitschriftKolik
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